Tag 16 – der Pizzablues

Ich war auf einem Dreh – der erste Filmdreh, dem ich beiwohnen durfte, ohne jedoch signifikante Beiträge zum Text beigetragen zu haben. Das kommt natürlich noch. Es war ein tolles Erlebnis, ein netter Vorgeschmack auf meine strahlende Karriere, dereinst, als Texter international erfolgreicher Kampagnen.

Den halben Tag verbrachten wir in einem Keller und sahen wie vor einer grünen Wand ein bemühter Social-Media-Testimonial den Spagat aus gelerntem Text und gespielter Spontanität einübte und (so meine unbedeutende und ganz und gar nicht professionelle Meinung) den Dreh ganz gut gewuppt bekommen hatte. Es gab lauwarmen Kaffee von einer schwarz-rostigen Färbung und mit einem Geschmack, der an klebrig-raues Harz erinnerte. Die bereitstehende Milch (immerhin Bio) schied natürlich für mich aus. Den anderen Setbewohnern schien der Kaffee jedenfalls mit Milchschuss, bzw. eine Tasse Milch mit Kaffeeschuss, gut zu munden. Auch gab es Bananen, die ob der Kälte aussahen wie hundert Jahre alt, und wirklich knackige Äpfel.

Alles im grünen Bereich, bis es ans Mittagessen ging – der EINE Grund, weshalb ich nach Ostern nicht vegan Leben werde, nicht vegan leben kann. Pizza.

Ich habe sie auch noch abgeholt aus der Pizzeria, sechs Kartons voll Himmel. Köstliche Dämpfe, der Geruch geschmolzenen Käses auf einem hauchdünnen Boden, welcher, vom Steinbackofen geküsst, einen perfekten Kreis ausmacht, Genuss im Umfang von 32 cm x Pi.

Und ich saß da mit einem Salat, der in einer Balsamicotunke schwamm, umrandet von wässrigen Tomaten und gekrönt von drei traurig in ihrem Blätterbett liegenden Oliven. Es gab Pizzabrötchen dazu, aber ohne Kräuterbutter oder Margarine taugt das fluffig-trockene Brötchen auch nicht zu viel mehr, als für das Aufsaugen oben erwähnter Imitation eines Dressings oder des Wassers, in das sich die Tomate zurückverwandelt, wenn man sie lange genug liegen lässt.

Milch? Kann weg.

Fleisch? Kein Problem.

Eier? Mag ich eh nicht.

Aber der Verzicht auf Pizza macht das vegane Fasten für mich zu einer Prüfung, wie sie sonst nur Hiob hatte durchleben müssen.

Was sagen die Veganer dazu? Gibt es ernstzunehmende Alternativen?

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Warum sollte ein Schriftsteller auch ein Texter sein?

Verschwendet man nicht viel Zeit für ein Fernstudium zum Texter, in der man besser geschrieben hätte?
Ich denke nicht!

Wie Ihr natürlich wisst, tummle ich mich im Schriftstellerbetrieb, schreibe Blogbeiträge, Kurzgeschichten und Romane.
Warum halse ich mir also eine Texterausbildung beim ILS auf?

Als Schriftsteller arbeite ich anders als ein Texter/Konzeptioner. Wir beide surfen auf der gleichen Welle der Kreativität, als Schriftsteller reite ich sie bis zum Ende. Ich interessiere sich für den Wortfluss, für Gefühle und das große Ganze.
Der Texter findet den Absprung bei einem Thema, einem Grund. Das verleiht dem Texter einen besonderen Fokus.

Den Grund zum Schreiben nicht vergessen!

Viele Schriftsteller verlieren sich im Flow ihrer Erzählung, wenn sich Handlungsstränge oder Figuren selbstständig machen.
Manchmal ist das sehr fruchtbar, manchmal nicht.
Der Texter geht nur mit einem Grund auf das kreative Surfbrett. Man schreibt nicht für irgendein Publikum, man schreibt nicht aus irgendwelchen Gründen. Bei einer Ausbildung zum Texter/Konzeptioner wie der, die ich beim ILS mache, lernt man für ein spezielles Publikum (eine Zielgruppe) zu schreiben und will ihnen ein Thema (eine Ware, eine Dienstleistung oder ein Konzept) nahebringen.
Kurzum: Thema A soll Personengruppe X schmackhaft gemacht werden und damit hat es sich. Man schreibt nicht um zu unterhalten, man unterhält, um zu überzeugen.

Als Schriftsteller steht die Unterhaltung für mich im Vordergrund, meine eigenen Überzeugungen flechten sich wie von selbst in die Geschichten ein, sie sind nicht der Grund für die Geschichte an sich.

Dennoch kann es nicht schaden, sich seine Geschichte mal mit den fragenden Blicken eines Texters zu betrachten. Jede Geschichte hat mindestens eine Aussage, ist sie klar genug herausgestellt? Was kann man besser machen? Gibt es gar eine Handlungsaufforderung?
Wie ist die Leserschaft? Spreche ich sie höflich, sachlich, emotional an? Kann ich Kraftausdrücke verwenden? Muss ich Kraftausdrücke verwenden?
Zu guter Letzt muss ein Schriftsteller auch manchmal einfach ein guter Texter sein, sei es, wenn er Klappentexte verfasst, Werbung für seine Bücher treibt oder Verlage anschreibt.
Wer das lernen will, ist bei der ILS sehr gut aufgehoben.

Was sagt Ihr? Sind Werbetexter die Sirenen des Konsums oder ist alles eine Frage des einzelnen Menschen? Eure Meinung bitte!