Tag 41 – Prioritäten

Heute hatte ich jede Menge auf der Arbeit zu tun – doch ein Müsli mit Hafermilch, eine Birne und eine Banane sowie Gemüsereis mit paniertem Blumemkohl haben mir reichlich Kraft gegeben. Natütlich war der Kaffee auch nicht verkehrt.

Auch heute hatte wieder jemand auf der Arbeit Geburtstag, auch heute standen wieder verführerische Haribonaschreien mit Gelantine satt in der Küche, auch heute habe ich entsagt.

Danach hatte ich sogar noch genügend Zeit, um ein Stündchen zu laufen und mir nachher noch panierte Auberginen zu machen, damit die nächsten zwei Tage ähnlich locker vonstatten gehen werden…

Das ist der Grund, dass ich heute wieder nur einen so kurzen Post ablasse, denn noch wichtiger, als über Veganismus zu schreiben ist es, zumindest sehe ich das so, es zu leben, zu kochen, zu genießen. Und damit der Genuss nicht zu kurz kommt, empfehle ich Euch hier allerwärmstens dieses Video – es gibt im Grunde nichts, was man auf die Art nicht vegan panieren kann und bestimmt auch nichts, was danach nicht himmlisch schmeckt. Lang lebe General Tso!!!!

Advertisements

Tag 40 – Dies und jenes

Ein paar schöne Kleinigkeiten an diesem Sonntag: das vegane Eis bei der Eisdealerin in Ehrenfeld lässt gar keine Wünsche übrig – Himbeer-Rose und Birne-Estragon treffen genau meinen Geschmack.

Auch mein erster Versuch einer Rotwein-Sahnesauce ist mit Hafersahne ein voller Erfolg und kaum vom Kuherzeugnis zu unterscheiden.

Und seit gestern bin ich stolzer Besitzer eines 1000 Watt Mixers… Da wird die Haselnusscreme besser als vom Nutella – um Klassen.

Tag 39 – Extrem

Die Sache mit dem Extremismus lässt mich nicht los – es gibt natürlich überall Extremisten, doch dass es hierzulande so viele davon gibt, (nicht nur in Ernährungsfragen) sehe ich als eine allgemein protestantische und insbesonders deutsche Sache an.

Der Protestantismus zeichnet sich dadurch aus, dass man dem geschriebenen Wort folgt, mehr oder weniger alleine ist mit dem mehr oder weniger gütigen Herrgott im Himmelreich. Dabei ist das eigene Gewissen die oberste Instanz und ständiger Plagegeist. Die Katholiken können im Zweifelsfall immer noch Beichten oder Spenden – nicht umsonst war der Ablasshandel ein besonderes Erlebnis Business. Auch die protestantische Weltsicht ist eher sachlich und jenseitsbezogen, wohingegen die Katholiken schon in den Kirchen einen Vorgeschmack des Himmels (wie sie ihn sich vorstellen) erfahren wollen.

Das Deutsche an sich bläst ins selbe Horn; es gab eine gemeinsame Sprache (für die der Urprotestant Luther auch einiges getan hat) und irgendwann kristallisierte sich eine gemeinsame Ideologie heraus, das Gefühl, dass man deutsch sei, obwohl der Landstich aus unzähligen Fürstentümern bestand. Auch hier ist das „echte und wahre“, die Idee, prägend und konstituiert dann irgendwann das Land, was wir so oder so ähnlich heute kennen. Eine Idee, ein Prinzip, als wichtiges Element bei der Betrachtung der Welt, wichtiger als die erlebte Realität.

Ich würde sagen, dass diese beiden Faktoren (neben dem oft unbehaglichen Wetter) größe Schuld an der deutschen Miesepertigkeit tragen, die auch, aber nicht nur, manche Veganer hierzulande reitet und der Sache keinen Gefallen tut.

Tag 38 – Zeit

Es ist Freitag und Freitag habe ich keine Zeit – nach einem Tag im Büro verbringe ich meinen Abend beim Kellnern.

Ich muss sagen, dass mir selbst das schonmal schwerer gefallen ist. Ob das an der veganen Ernährung liegt oder daran, dass das eine Routine ist, der ich seit nunmehr einem halben Jahr folge – who knows.

Man gewöhnt sich ja an einiges.

Was ich jedenfalls sehr genau weiß ist, dass ein Belugalinsencurry trotz seines düster-unappetitlichen Aussehens ein tolles Futter ist, das mich wachhält… Und mich meinem langersehnten Feierabendkölsch ein Stück näher bringt.

Alaaf!

Tag 37 – Ziele

Mich fasziniert diese Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit ziemlich, ich komme nicht umhin darüber dauernd nachzudenken – nicht nur wegen meines Veganismus‘, sondern auch wegen sonstiger Meinungen, die mich durch mein Leben geleiten.

Es ist doch so, dass jeder ein Ziel braucht, es ist wie der Nordstern, der Horizont, der Kompass, nachdem man sein Leben ausrichtet. Glück, Zufriedenheit, Freiheit, Tierwohl oder Weltfrieden; je mach Zeitalter gab es andere Werte, die hoch im Kurs standen. Ich denke sogar, dass auf lange Sicht eine Gesellschaft nur in sich tragfähig ist, wenn die Ziele der Bürger ähnlich sind. Ich frage mich gar, ob es orginär Ziele sind, die eine Gesellschaft konstituieren.

Natürlich waren diese Ziele nicht immer gute Ziele, die Reinheit der Rasse im NS war auch ein Ziel oder die Gleichheit in der DDR, die doch nur eine Gleichheit in Armut war.

Jedenfalls braucht jeder Mensch Ziele, und es sollten besser wohlüberlegte Ziele sein, nach denen man sich richtet, um schon vor Reisebeginn zu wissen, wo man ankommen möchte. Andere Menschen haben nur Tages- oder ein Etappenziele. Doch auch das zeigt in eine Richtung – und wenn das nächste Etappenziel die selbe Richtung ausweist, dann ist man auf einem konsistenten Weg.

Heutzutage finde ich es sehr schwer, auf in sich konsistenten Wegen zu gehen, zumindest, wenn man ganz ehrlich mit sich ist und die Sachen eine Biegung weiter denkt.

Wenn ich gerne Bio-Gemüse essen möchte und schwer gegen DDT in Entwicklungsländern bin, dann ist das moralisch gut – zumindest so lange, bis wieder die Moskitos mit Malaria kommen, die durch DDT an der Häuserwand lange abgehalten wurden.
Wenn ich keine Klamotten mehr aus Bangladesh mehr kaufe, dann profitiere ich icht aus deren Niedriglöhnen – dann schließen die Fabriken und die Leute haben gar nichts mehr zu.
Wenn ich gegen Tierversuche bei Medikamenten bin, dann kann es sein, dass Menschenkinder an vermeidbaren Krankheiten verrecken.
Wenn ich es ablehne, dass tierische Abfallprodukte in der Industrie verwendet werden, dann müssen die (heute nunmal vorhandenen) Rohstoffe vernichtete werden und neue, vegane Rohstoffe unter Energie- und Flächenaufwand hergestellt werden.

Ich finde das alles sehr spannend – ob der Weg in die richtige Richtung, das Etappenziel, ehrlicher ist als die unerreichbare Extrempostition oder ob man auf diese Weise niemals ankommt.

Was sagt ihr?

Tag 36 – Einfach anders

Wie so oft im Leben gilt auch beim veganen Leben die Devise: der Weg entsteht, wenn man ihn geht. Und langsam ist der Weg recht gemütlich, liegt quasi in Trampelpfadmanier vor mir aus.

Als ich angefangen habe, musste ich auf jedes zweite Produkt draufschauen – und viele davon wieder an den Platz im Regal zurücklegen. Mittlerweile weiß ich schon vorher, worin sich eh Schweinegelantine oder Farbstoffe aus Läusen befinden. Sogar die Lust nach einigen dieser Dinge wird kleiner. Meine Lieblingsbrause, zum Beispiel, bleibt jetzt Standartmäßig im Supermarkt – was meinem Insulinspiegel und meinem Bauchumfanf auch nicht schaden sollte.

Dazu kommt, dass ich, wenn ich meinen Kühlschrank aufmache, nun wirklich nichts mehr ergreifen könnte, was nicht vegan wäre – auch der Freestyle Kochabend geht also problemlos über die Bühne, seit ich die Rinderbrühe und die Gewürzmischung mit verstecktem Milchzucker zu der echten Gelantine in meinen Giftschrank gepackt habe. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier – was es so schwer macht etwas zu ändern, ist gleichzeitig ein großer Trumpf: Wenn man erst mal etwas geändert hat, dann fällt es irgendwann auch leicht, ja man vergisst beinahe, dass es einmal anders war. Zumindest, wenn man die Änderung annimmt, sie wirklich will.

Ich habe meine Lungen beispielsweise ab dem fünfzehnten Lebensjahr aktiv mit Zigarettenrauch verpestet, bis ich anfang Dreißig war. Nach diversen halbherzigen Versuchen, mal mehr, mal weniger freiwillig, bin ich immer wieder dem teerigen Trott der alltäglichen Versuchung erlegen.

Heute könnte ich mir gar nicht vorstellen, mir wieder solch ein stinkendes Ding in den Hals zu ziehen und viel Geld für einen langsamen, qualvollen Tod in die Staatskassen zu spülen. Ähnlich empfinde ich langsam das Motto meiner Jugend: „Zu jedem Hauptgericht gehört Fleisch.“

Anders werden ist schwer, aber anders sein wird irgendwann normal.

Tag 35 – Frühlingsfrösteln

Heute habe ich den ganzen Tag befürchtet, es hätte mich doch erwischt – die allgegenwärtigen Krankheitserreger hätten schlussendlich doch gesiegt.

Meine Beine sind noch von Samstag mit Muskelkater verflucht und mir war den ganzen Tag über kalt… Schlimmer noch; der Kaffee hat mir weder geschmeckt noch den wohlverdienten Energieschub verliehen.

Fast habe ich mich gefreut, mal einen Tag im Bett zu verbringen…

Doch dann: Pustekuchen.

Dachte ich heute morgen noch mit Grauen an den weiteren Tagesverlauf, der mit einem Vortragsmarathon enden wird, so wurde während einer frühlingshaften Radfahrt durch Köln Ehrenfeld, alles langsam besser und jetzt, da ich am Bahnhof auf meinen RE warte, fühle ich mich fast, als wäre ich neu geboren.

Komisch, wie sehr das Wetter das Wohlbefinden beeinflusst. So sehr wie ein paar scheue Sonnenstrahlen kann meine Ernährung meine Laune gar nicht verbessern – andersherum schon, eine Lebensmittelvergiftung ist bestimmt schlimmer als ein Regentag.

Also hoffe ich auf eine schöne Woche mit etwas weniger Schnee, weniger Frost und mehr Sonne. Und natürlich eine Woche voll gesundem, veganen Essen.

Doppelt hält bekanntlich besser.